Es gibt diese Tage, da muss Mann einfach mal mit einem großen #hach und voller Zufriedenheit und Dankbarkeit gegenüber der großen Schildkröte ein bisschen Feenstaub verbreiten. Heute ist so ein Tag. Auch ohne Meeresrauschen im Ohr und verkitschte Sonnenuntergänge am Strand. Anlasslos und dennoch #ausgründen.
Und ein bisschen PianoGuys hat noch nie geschadet.
Wer sich mal eine ruhige und kluge Sendung mit guten Argumenten pro und contra Betreuungsgeld ansehen will, der schaue sich diese Folge Beckmann an!
In der sehr empfehlenswerten Sendung login im ZDF trafen gestern Abend Christopher Lauer von den Berliner Piraten und Volker Beck von den Grünen aufeinander. [Link zur Sendung in der ZDF Mediathek [gern GEZahlt!]]
Die Sendung war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Redaktionell hatte ZDFinfo wie immer gut (aber auch wie immer nicht gut genug) vorgearbeitet und so wurden einige heiße Themen angepackt; auch wenn es die Falschen waren. Der Bogen sollte die Frage umspannen, ob die Piraten die neuen Grünen sind. Die Frage ist als solche weder stellbar noch klug gewählt. Die Grünen haben in einer Zeit ihren Ursprung, in der Basisdemokratie ein belächeltes Konzept war und die breite Masse der Bevölkerung nichts von den lähmend langen Debatten innerhalb der jungen Partei mitbekam. Bei den Piraten ist durch eine exorbitanter Medienaufmerksamkeit und die von ihnen propagierte Transparenz für alle zu lesen, was gerade wieder für ein Vorschlag aufkam. Seien wir mal ehrlich: Würden alle schwachsinnigen Wortmeldungen eines klerikalen CSUlers aus Niederbayern, eines alt SEDlers aus Chemnitz, eines verbohrten Sozen aus NRW und eines technikfeindlichen Grünen aus Freiburg in der bundesweiten Presse durchdiskutiert - das Parteiensystem wäre am Ende! Auch wenn ich bekanntlich nicht zur Anhängerschaft der Piratenpartei gehöre, so sehe ich doch einen großen Mangel an Aufrichtigkeit, wenn Politiker der derzeit etablierten Parteien mit dem Finger auf einzelne Parteitagsanträge oder Wortmeldungen einzelner Piraten zeigen. Hier wäre ein bisschen mehr Stil und vor allem mehr Klasse seitens einiger Protagonisten wünschenswert!
Zu schreiben kommen will ich aber noch auf einen Punkt, in dem ich Lauer voll und ganz zustimmen muss. Es war gerade zu erbärmlich zu sehen, wie wenig Interesse die Redaktion der Sendung offensichtlich an Inhalten und thematischem Diskurs hatte. Man wollte das Spiel “Die Piraten gegen Die Grünen” pushen. Da nehmen wir doch mal das Thema des Fahrscheinlosen* ÖPNV. Da kam ein einziges Mal wirklich eine Option für einen spannenden Schlagabtausch auf, als nämlich der Landespolitiker Lauer ein durchaus diskussionswürdiges Konzept für den ÖPNV in einem Ballungsraum wie Berlin erläuterte und der Bundespolitiker Beck darauf hinwies, dass in Flächenländern solche Konzepte nicht aufgingen. Hier hätte man ansetzen können und überlegen, ob die Piraten sich vielleicht noch zu sehr von ihrem “Stammland” Berlin leiten lassen, ob die Partei überhaupt Ansprechpartner für ländliche Räume sein _will_, und und und. Da würde es dann auch nichts ausmachen, dass Lauer mittlerweile schon schnodderiger als Helmut Schmidt erscheint… Wo Joschka die Turnschuhe hatte, hat @schmidtlepp sein Genöle ;-)
Aufrichtig wäre es also, wenn Medien und Kommentatoren anerkennen, wie sehr ein Teil des Volkes (man vergesse nicht, dass Twitter nicht für 80 Mio Deutsche repräsentativ ist!) nach neuer politischer Binnenkommunikation lechzt, und daraus den Schluss zieht lieber über jene Themen in den Leitartikeln zu diskutieren, für die diese junge Partei Ideen und auch einen rudimentären Vertretungsanspruch für eine relevante Gruppe der Digital Natives hat, statt immer nur über die Themen zu schwadronieren, zu denen die Piraten noch keine Meinung und keine Ideen haben.
Und, die Anmerkung sei mir gestattet, die Innenpolitikchefin der taz als Sidekick von Volker Beck dort hinzustellen, hat schon sehr deutlich die Ziele der redaktionellen Vorbereitung gezeigt. Schade, ZDF login, das könnt ihr besser!
Nachtrag: Einen schönen Einblick über die Netzpolitiker, die “heimlichen Piraten”, in Parteien und ihren Kampf gegen das “Establishment” liefert jener Beitrag.
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*[Auch eine Frage der Aufrichtigkeit. Es gibt keinen kostenlosen ÖPNV, so wie es auch kein kostenloses Studium und keine kostenlosen KiTas gibt. Wir als Gesellschaft finanzieren alle Ausgaben des Staates. Jeder von uns. Und es ist zu Recht Wesen dieses Gesellschaftsvertrages unserer Republik, dass die Starken die Schwachen stützen. Nicht nur individual, sondern auch im Hinblick auf Gemeinden und Regionen. Der einzelne Euro kann nur ein einziges Mal ausgegeben werden und wir würden uns ALLE(!) gut stellen, wenn wir mal fernab von Dogmen und alten Cleavages Debatten zur Finanzierung vieler meritorischer Güter führten.]
via
Süßspeisen im Pantone… #mjammie
Gefunden & netter Blogpost dazu bei http://www.mymodernmet.com/
Die Geschichte spielt schon ein merkwürdig Spiel mit unserem Land. Da haben wir es geschafft aus dem Flickenteppich der Fürstentümer ein mehr oder weniger geeintes Land zu zimmern, da haben wir es geschafft trotz der fehlenden großen erfolgreichen Revolution aus Frankfurts Fehlschlag und Weimars Wirren in Bonn am Rhein doch noch einen Hort vorbildlicher Demokratie zu schaffen und dann so etwas: Da schreibt doch noch ein verirrter Kopf in der Fußzeile einer Präsentationsfolie “SS12” um das akademische Sommersemester 2012 abzukürzen. Jehova!
Doch halt, was war geschehen? Der Autor ist Hilfskraft an einem politikwissenschaftlichen Lehrstuhl. Als solches gehört es zu seinen Aufgaben die Präsentationsfolien des Herrn Professor für die Studenten Studierenden bereitzustellen, online verfügbar zu machen und natürlich druckerfreundlich aufzubereiten. Zu einem der vielfach im vergangenen Semester von Besuchern der Vorlesung geäußerten Wünsche gehört auch die Bitte, auf jede (!) einzelne Folie die Veranstaltungsnummer und den Namen zu schreiben, damit nach dem selbstverständlich immer sofort erfolgenden Ausdrucken und Abheften kein Chaos mehr entstehen kann. Nun, die Universität ist Dienstleister und es ist ein Einfaches, solchen Wünschen nachzukommen. Wenn auch nur einer Teilnehmerin ein mehrfaches Ausdrucken dadurch erspart werden könnte, war es schon eine sinnvolle Aufwendung.
In einem Akt gewissenloser Unachtsamkeit und mit dem offensichtlichen Mangel jedwelchen Feingefühls stand dann in einer Fußzeile “SS12”. Der Professor reagierte am Folgetag und schrieb in einer eMail:
[…]mir ist eben aufgefallen, dass Sie […] die Abkürzung SS verwendet haben. Es gibt ja den Beschluss, SoSe zu verwenden, und angesichts der heiklen Zusammensetzung der Zuhörerschaft wollte ich Sie herzlich bitten, auch auf SoSe umzuschwenken.
Nun, auch wenn mir die Bulle mit jenem Beschluss nicht bekannt ist, will ich dem gerne folgen. Ich finde es lächerlich, dass an dieser Abkürzung Anstoß genommen wird, aber sehe nicht im Traum ein, aus Prinzipienreiterei hier in eine Diskussion einzutreten. Die Thematik als solche ist einer Universität ohnehin unwürdig.
Was mich wirklich stört ist Folgendes: Wie weit sind wir eigentlich gekommen, wenn ein Dozent offensichtlich Sorge vor ‘Shitstorm’ oder Ärger in seinem Vorlesungsbetrieb haben muss, weil er in der Fußzeile einer Folie diese Abkürzung sieht. Dem Dozenten darf hier keinerlei (!) Vorwurf gemacht werden. Der hatte im vergangenen Semester schon genug um die Ohren was das angeht, was auch den Verweis auf die “heikle Zusammensetzung der Zuhörerschaft” erklärt. Vielmehr muss ich die Studentinnen und Studenten, die bei so einem Thema aufbegehren doch fragen, ob ihnen Sinn, Wesen und Geist der akademischen Bildung auch nur im Ansatz bewusst sind. Wenn die völlig (!) zusammenhanglose Abkürzung zu solchen Auswüchsen führen kann, dann soll sie doch der Günther GraSoSe holen!