David Ermes

David Ermes' Blog zu den Dingen. Keine Agenda. Bunt gemischt wie mein Leben. Wer mehr wissen will… >>Who the f...
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Where do I go when the shit hits the fan? I sit down and have a beer like any self respecting gentleman.
The Usual Suspects
Man muss Mitleid haben mit der Lufthansa. Von Emirates oder Cathay Pacific überholt zu werden, lässt sich vielleicht noch verschmerzen. Aber wenn beim Kundenservice sogar die Deutsche Bahn mit Volldampf an der Lufthansa vorbeizieht, muss man sich wirklich Sorgen machen.
Unabhängig vom konkreten Fall. Ich glaube nicht dass es irgendjemandem in unserem Lande nützt, wenn man rechtsextreme Jugendliche von der Schule ausschließt. So gar nicht.
Ich. Fassungslos.

Daughter - “Get Lucky” (Daft Punk cover)

Eine ziemliche Unverschämtheit, was sich Albert Schäffer da erlaubt. Er mag in all den organisatorischen Mängeln mehr als Recht haben, aber auch er begeht einen Fehler, den ein gestandener Journalist mit seinem Hintergrund nicht begehen sollte: Er politisiert das Verfahren. Für die politische Aufarbeitung haben wir aber in diesem Lande Untersuchungsausschüsse und (Achtung, Ironie) Günther Jauch. Ein Gerichtsverfahren schien bisher eine der wenigen nicht gänzlich den Gesetzen der Medienhysterie und Alltagsdramaturgie verfallenen Instanzen gewesen zu sein. Ganz grundsätzlich. Macht das nicht kaputt, liebe Medien.

In der allgemeinen Hysterie rund um die NSU Morde sollte der geneigte Kommentator und Journalist kurz innehalten und sich ein paar Dinge vor Augen führen, die das Wesen unseres Rechtsstaates betreffen.

  1. Die Aufgabe des Prozesses ist die Wahrheitsfindung rund um die Taten, die den Angeklagten von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt werden.
  2. Aufgabe des Prozesses ist NICHT, Versäumnisse der Behörden aufzuklären.
  3. Der Prozess findet statt um das Strafbedürfnis des deutschen Staates, sprich des Volkes zu befriedigen, das sich diese Rechtsordnung gegeben hat.
  4. Es ist NICHT Aufgabe des Prozesses Befindlichkeiten von Personen oder Gruppen im In- und Ausland zu befriedigen und deren ‘Forderungen’ nachzukommen.
  5. Das ist ein Strafprozess. Der Strafprozess soll in Deutschland keine politische Dimension haben. Das hatten wir in den zwölf schwarzen Jahren und den einundvierzig grauen Jahren genug. 

Jeder hat ja so diese Momente in denen man beschließt sein ganzes Leben umzukrempeln und ab morgen etwas anders zu machen. Wenn es ganz dicke kommt, dann macht man sogar sofort etwas anders. Man schnürt die Laufschuhe und trabt los, man setzt sich an den Computer und schreibt endlich das Essay fertig an dem man schon so lange grübelt oder man nimmt das Telefon zu Hand und ruft einen alten Freund an, mit dem man schon so lange nicht mehr gesprochen hat, dass es einem fast peinlich ist ihn gerade jetzt anzurufen. Interessant dabei ist die Frage, was diese Momente auslöst. Warum haben wir Menschen diese Momente seltener Klarheit in denen wir meinen uns nicht mehr zu verstellen und endlich alles besser machen zu müssen? Und ist es am Ende nicht doch auch wieder ein großer Selbstbetrug?

Philipp S. Holstein hat eines der außergewöhnlichsten Bücher geschrieben, das ich seit langem gelesen habe. In seinem Ratgeber “Glücklich werden ohne Ratgeber. Ein Ratgeber.” stellt er all die Fragen, die einen solchen Moment des “Jetzt mache ich es anders!” auslösen können. Es ist kein Buch, das dem Leser sagt was er machen soll. Es ist vielmehr eine Lektüre die einem selbst verdeutlichen hilft wer man ist, wo man sein will und warum man sich jeden morgen auf’s Neue betrügt wenn man meint man ginge gerne raus um bei Schietwetter um den Stadtpark zu joggen. Holstein weiß wovon er schreibt. Nicht nur ist der Autor Arzt und psychologisch tätig, auch hat er im Privaten wie Beruflichen schon schier unendlich viele ausgeprägte Charaktere getroffen, hat morgens früh im Sonnenaufgang nach einer durchzechten Nacht mit Freunden den Sinn des Lebens gesucht und in seiner Frau seiner Schwärmerei nach zu urteilen die Liebe seines Lebens gefunden. Der Ratgeber, der sich gemütlich mit einem Stift bewaffnet und einigen Tassen Tee an einem Nachmittag oder einem guten Tropfen, Ruhe und Muße an einem Abend liest, kommt unterhaltsam daher. Nicht etwa mit erhobenem Zeigefinger und dem vorwurfsvollen Ton eines veganen Weltverbesserers, sondern mit dem Humor eines Mannes der mitten im Leben steht fordert Holstein den Leser dazu auf sich selbst einige Fragen zu stellen und diese ehrlich und aus tiefstem Herzen zu beantworten. Jeder für sich. Die Themen und Kapitel des Buches umfassen dabei alles und mehr, vom Kapitel “Scheitern und Schwäche” über “Geld”, “Liebe, Sex und Avocados” bis zu “Moral und Morast”. Und wie Holstein so schön schreibt: “Niemand wird Ihnen jemals garantieren, dass es besser wird. Das ist auch logisch. Denken Sie an die Achterbahn. Rauf und runter. Nur so macht die Fahrt Vergnügen.” 

Und so hat man dann nach Lektüre dieses Buches zwar nicht den Stein der Weisen gefunden oder verspürt das dringende Bedürfnis die kalte Fusion zu revolutionieren, aber man hat einen neuen, einen guten Begleiter in den Momenten die ich eingangs beschrieben habe. Man erinnert sich dann an Holsteins Worte, erinnert sich an die Fragen die man sich selbst beantwortet hat und rückt zurecht, was zurechtgerückt gehört. Mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten, man muss sich selbst von Holstein mitnehmen lassen auf der Reise von Frage zu Frage.

Eine Kaufempfehlung.  

Philipp S. Holstein Glücklich werden ohne Ratgeber. Ein Ratgeber. Erschienen im Huber Verlag, zu beziehen über den netten kleinen Buchhändler um die Ecke oder dieses Internet.

Der Autor schreibt regelmäßige und sehr lesenswerte Kolumnen beim Verein Freunde für’s Leben, der sich mit Suizidprävention und Aufklärung beschäftigt.

[Disclaimer: Ich zähle mich zu den glücklichen Menschen die Philipp S. Holstein persönlich kennen.]

Jetzt haben die Piano Guys auch mal was für die Berliner gemacht…

Still one of the most wonderful videos out in the web.

As Michael Cohen noted in the Guardian, we fear that which scares us, but not the things that actually threaten us.

Time to lower your IQ.

An dieser Stelle zitiere ich meinen Freund Philipp Schäfer. Besser hätte ich es nicht niederschreiben können.

» Zur Zeit beginnt in Israel der Jom HaShoah - der Gedenktag an die Opfer des Holocaust. Sechs Millionen Männer, Frauen und Kinder wurden in der Shoah ermordet. Aus diesem Anlass möchte ich das - durchaus umstrittene Video - “I will survive Auschwitz” nocheinmal empfehlen. 

Die Tochter des Holocaustüberlebenden Adam Kormann (später Kohn), eine australische Künstlerin, die sich in Ihren Werken mit Ihrer jüdischen Geschichte auseinandersetzt, tanzt in diesem Video gemeinsam mit Ihrem 89-jährigen Vater und ihren Kindern an verschiedenen Orten nationalsozialistischer Verbrechen zu Gloria Gaynors Hit “I will survive”. Hendryk Broder kommentierte diese Form der Erinnerung im Stern so: “Das ist der jüdische Mittelfinger: Ich lebe, ihr seid tot! Ich habe Enkel! Und ich habe Spaß. Das ist der richtige Umgang, wenn es denn einen gibt. (…) Darf man das? Ich finde, man darf es nicht, man muss es. Die beste Rache ist ein gutes Leben.”

Adam Kormann ist heute zweifacher Vater, sechsfacher Großvater und dreifacher Urgroßvater. Am Ende des Videos hört man Kormann sagen: “”Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich 63 Jahre später mit meinen Enkeln herkommen würde, hätte ich geantwortet: Worüber redest du? Und da sind wir. Das ist ein historischer Moment.” Im letzten Jahr wurde er nochmals zu diesem Video befragt. Er sagte “Seitdem bin ich kein Opfer mehr, ich habe überlebt, ich habe gewonnen.” Lutz Lorenz schrieb im September 2010 in der Online-Ausgabe der “jüdischen Zeitung” bezüglich der zahlreichen Kommentare im Internet, die Korman und seine Familie ob des “Tabubruches” anklagten: “Für mich der einzig richtige Kommentar: «Wer so viel Leid ertragen hat, darf wohl selbst entscheiden!». Genau das ist es: « Wer das makaber nennt hat Unrecht, es ist Adams verdammtes Recht als Überlebender dieser Hölle dorthin zu gehen und zu tanzen! Schade, dass Hitler, Hess & Co. diesen Triumph nicht sehen können, ich hoffe die ollen Nazis drehen sich im Grabe um. Super, Kohn-family!» “

Vielleicht habt Ihr einen Moment Zeit, den Opfern zu Gedenken und das Leben zu feiern. Für die, die es auf so schreckliche Weise verloren haben. «

Und gerade in Deutschland sollten wir nicht vergessen, dass das Kaddish nicht den Tod beweint, sondern das Leben feiert!

Man sollte bei allen Debatten rund um die Medienvertreter beim NSU Prozess nicht vergessen, dass das auch ein Kräftespiel zwischen Medien und Gerichten ist. Die deutsche Presse ist schon von so manchem OLG Präsidenten und Richter in ihre Schranken gewiesen worden (Pressefreiheit ist nämlich auch mit Pflichten verbunden, das vergisst die schreibende und filmende Zunft gerne) und sieht das hier auch als Möglichkeit zu sehen ob man mit genug medialem Druck Einzelfallgesetze herbeiempören kann.

[Es wäre nämlich ein Leichtes, würde die ARD einen Platz an einen gepoolten türkischen Korrespondenten abgeben. Damit könnte man sogar noch gute eigen-PR machen. Aber dann wäre das Gericht ja nicht mehr so schön vor der Flinte!]